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Kängurus und andere Exoten

zum Unternehmensverkauf in KMU

 

Fast jeder der sich mit dem Thema Unternehmensnachfolge / Unternehmensverkauf für kleine und mittlere Unternehmen beschäftigt und hierbei z.B. mal eine Verkaufsanzeige in einer Unternehmens-Börse oder sonstigen Medien geschaltet hat, erlebt folgende Phänomene:

 

Es melden sich angebliche Käufer, entweder als Geschäftsleute (B2B) oder Privatleute (MBI).

 

Diese bekunden (in der Regel) sehr vollmundig und selbstsicher, dass sie ihr Unternehmen kaufen wollen, jetzt aber vorher „alles und jedes“ über ihr Unternehmen erfahren möchten (und müssen).

 

Das (ihr) Problem als Verkäufer:

 

Zu ca. 95% haben diese Leute kein ausreichend persönliches Geld (i.e. Eigenkapital) um ihre Firma zu kaufen.

 

Zu 95% bekommen diese Leute auch keinen ausreichenden Bank-Kredit um ihre Firma zu kaufen, da diese Leute kein Eigenkapital haben.

 

Typische Geschäftsbanken (auch mit KfW) wollen heute ca. 25 - 30% Eigenkapital vom Kaufpreis sehen, damit der Käufer dann ggf. 70 - 75% vom Kaufpreis als Bank-Kredit bekommen kann. Also ohne Eigenkapital > kein Fremdkapital!

 

Zu über 80% haben diese Leute (insbesondere MBI) auch keine langjährig berufsfachlichen Erfahrungen mit ihrer Branche, ihren Produkten, ihrem Firmen-Know-How etc. usw.. Möchten damit als (quasi) Senior-AZUBI bei ihnen einsteigen. Auch dies berücksichtigen Banken bei ggf. Kreditvergaben an MBI, da damit das Kreditrisiko der Banken steigt. Also ohne „persönlich branchenspezifisches Know-How“ des Käufers > nur selten Fremdkapital!

 

Zu über 80% haben diese Leute (insbesondere MBI) auch keine langjährig unternehmerische Führungs- und Geschäftsleitungs-Erfahrung als Unternehmer, im Sinne von zentralem Hirn (selbstständig denken) und Faust (selbstständig machen) und Bauch (selbstständig entscheiden) des Gesamtunternehmens.

 

Die Führungsstrukturen in z.B. sehr großen Unternehmen / Konzernen unterscheiden sich grundlegend von den unternehmerischen Führungs- und Geschäftsleitungs-Aufgaben in kleinen und mittelständischen Firmen. Sind damit nur in Ausnahmefällen mental und arbeitstechnisch kompatibel. In ganz kleinen Firmen entscheidet der Solo-Chef schlichtweg alles und jedes selbst. Die Mitarbeiter solcher Firmen haben i.d.R. nicht gelernt selbstständig planen und handeln zu können oder hierfür persönliche Verantwortung zu übernehmen.

 

Auch dies berücksichtigen Banken bei ggf. Kreditvergaben an MBI, da damit das Kreditrisiko der Banken erneut steigt. Also ohne „persönliche Mittelstandserfahrung“ des Käufers  > nur selten Fremdkapital!

 

Da zumindest die im Grundsatz „Schlauen“ der vorgenannten Käufer diese Mängel erkannt haben, insbesondere das Thema „fehlendes Eigenkapital“, kommt dann oft der Verschlag vom Käufer vorerst nur einen kleinen Geschäftsanteil von ihnen sofort zu kaufen und den Rest der Geschäftsanteile irgendwann später.

 

Dies ist jedoch (im Regelfall) bei kleinen Unternehmen eine böse Falle, da das mit sehr erheblichen rechtlichen, steuerlichen, vertraglichen und persönlichen Klippen und Hürden sowie Risiken verbunden ist, die zudem oft richtig teuer und brutal aufwendig sind. Der Verkauf eines Unternehmens im Ganzen ist i.d.R. deutlich einfacher als unternehmerische Beteiligungen, insbesondere wenn diese zukünftig auch noch prozentual verändert werden sollen.

 

Insbesondere, wenn´s dann ggf. zwischen Käufer und Verkäufer und das Unternehmen selbst zukünftig „schlecht läuft oder final schief geht“ und das Ganze wieder rückabgewickelt werden soll oder muss.

 

Auch das beliebte Thema „Verkäufer-Kredit“ der Verkäufer an den Käufer „wegen fehlendem Eigenkapital“, ist mehr als kritisch. Ein „Verkäufer-Kredit“ wird ja nur deshalb gefordert, weil der Käufer bei normalen Geschäftsbanken zur Höhe des Kaufpreises nicht kreditwürdig ist. „Verkäufer-Kredit“ ist damit immer nur letzter „Notnagel“ der Käuferseite, wenn sonst finanziell nichts mehr geht.

 

Auch hier drohen für die Verkäufer i.d.R. erhebliche Risiken. Geht der Käufer „pleite“ oder laufen die zukünftigen Geschäfte schlecht, ist der eingeräumte Kredit geplatzt oder notleidend.

 

Geplante Unternehmensverkäufe an oder durch Kängurus und andere Exoten (also große Sprünge mit leerem Beutel) sind damit brutal seltene Ausnahmen, deren Zeitaufwand i.d.R. in keinem Verhältnis zur realen Erfolgswahrscheinlichkeit steht.

 

M+A Rüegg Mittelstandsberatung GmbH | Mail: rggbieber@t-online.de